Design Thinking – agile Ideenfindung

Komplexe Probleme mit Design Thinking lösen

Beim Design Thinking scheiden sich die Geister: Für die Einen ist es die Ideenfindungsmethode schlechthin – schwerfällige Prozesse werden verkürzt, Kreativität bekommt unbegrenzten Raum und der Kunde steht konsequent im Mittelpunkt.

Andere kritisieren mangelnde Ergebnissicherheit oder haben Schwierigkeiten, sich auf einen Weg der Ideenfindung zu begeben, der völlig anders ist als bisherige Methoden.

Was Design Thinking genau ist, woher das Konzept kommt, wie Design-Thinking-Ansätze umgesetzt werden können und was die Methode für Unternehmen und Teams bedeuten kann, beschreiben wir hier.

 

Was ist Design Thinking eigentlich genau?

Design Thinking ist eine kreative Methode, um komplexe Aufgabenstellungen zu lösen und neue, innovative Produkte zu entwickeln. Der Prozess läuft in sechs Phasen ab und bringt die entgegengesetzten Pole Kreativität und Struktur zusammen. Deshalb wird Design Thinking gelegentlich als strukturierte Kreativität bezeichnet.

Die Entwickler des Design Thinking waren der Überzeugung, dass komplexe Probleme am besten in interdisziplinären Teams gelöst werden können. Das Team ist dabei mehr als die Summe seiner Mitglieder: Indem die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen Raum finden, wird echte Innovation möglich.

Eine weitere Grundannahme des Design Thinking bezieht sich auf die Bedeutung des kreativitätsfördernden Raums: Nur, wenn das Umfeld förderlich ist, kann das Team sein ganzes Potenzial entfalten. Persönliche Anwesenheit (wenigstens per Videoschaltung) ist unbedingt erforderlich – per Chat und Mail gehen die positiven Synergien verloren.

Der gesamte Prozess ist streng auf das Kundenbedürfnis hin ausgerichtet. Um dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, wird der Kunde immer wieder in Tests und Feedbackrunden einbezogen. Der Prozess selbst ist extrem fehlertolerant. Das Ergebnis allerdings muss möglichst optimal das Kundenbedürfnis erfüllen.

Die Säulen des Design Thinking sind also die folgenden: Team, Raum und Prozess.

 

Woher kommt Design Thinking?

Die Geschichte des Design Thinking beginnt in den 1970er Jahren an der Universität Stanford (Kalifornien), wo die Professoren David Kelley, Larry Leifer und Terry Winograd die Methode entwickelten.

David Kelley ist zudem Gründer der Design- und Innovationsagentur IDEO, die das Konzept weiterentwickelt und vermarktet.

Die Herkunft der drei Wissenschaftler aus dem Bereich Industriedesign erklärt die Benennung der Methode: Sie verstehen den Ideenfindungsprozess als eine Kombination verschiedener Schritte, wie sie auch Designer bei ihrer Arbeit vollziehen.

Der Wortteil „Thinking“ steht dafür, dass wie bei einem Forschungsprojekt die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit systematisch und faktenbezogen untersucht werden sollen.

Nach dem Vorbild der 2003 in Stanford gegründeten d.school (inzwischen umbenannt in Hasso Plattner Institute of Design) wurde 2007 auch in Potsdam eine HPI School of Design Thinking eingerichtet.

 

Der Design-Thinking-Prozess

Der Design-Thinking-Prozess besteht aus sechs aufeinander aufbauenden Phasen.

1.Verstehen

Nur wer das Problem richtig verstanden hat, kann die passende Lösung dafür finden. In der ersten Phase tauchen die Teammitglieder rational in den Problemraum ein und erarbeiten Zusammenhänge, Beziehungen, Strukturen und Vorgeschichte des Problems.

2.Empathie

Zum Durchdringen eines Problems reicht nach den Annahmen des Design Thinking die rationale Herangehensweise nicht aus. Ängste, Bedürfnisse, Sichtweisen und Emotionen der Stakeholder werden deshalb in der zweiten Phase empathisch erfasst und mithilfe einer Design Thinking Empathy Map visualisiert.

3.Synthese

Die dritte Phase bringt die Erkenntnisse aus den beiden ersten Schritten zusammen. Die Bedürfnisse der Zielgruppe werden beispielsweise mittels Personas konkretisiert, aus deren Perspektive die Teammitglieder das Problem betrachten.

4.Ideen entwickeln

Mit dem vierten Schritt wechselt das Team aus dem Problemraum in den Lösungsraum. Hier dürfen die kreativen Funken sprühen: verrückte Ideen, langweilige Ideen, utopische Ideen, mutige Ideen – alle bekommen Raum, nichts wird sofort verworfen.

5.Prototyping

Im fünften Schritt, dem Design-Thinking-Prototyping, werden Ideen sichtbar und greifbar gemacht. Ein Prototyp wird in kurzer Zeit mit wenig Aufwand hergestellt. So kann „mit den Händen“ weitergedacht werden.

6.Testen

In der letzten, entscheidenden Phase wird Feedback eingeholt: Kommt die Idee an? Erfüllt sie die Bedürfnisse der Zielgruppe? Was kann verbessert werden?

 

Team digital Führen & organisieren

Design-Thinking-Methoden

Für jede Phase des Design Thinking gibt es ein Bündel an geeigneten Methoden, um sich dem Problem anzunähern und gute Lösungen dafür zu finden. Im Design Thinking können auch mehrere Kreativitätstechniken und Methoden pro Phase verwendet werden, wenn sie sich sinnvoll ergänzen bzw. aufeinander aufbauen.

Hier einige Beispiele, die besonders häufig in einem Design-Thinking-Prozess eingesetzt werden:

 

Customer Journey Map bzw. User Journey Map

Mit der Customer bzw. User Journey Map wird der Weg nachvollzogen, den Kunden oder Nutzer erleben. Die Methode hilft zu verstehen, wie Kunden oder Nutzer ein Produkt wahrnehmen. Das Ergebnis kann gut visuell dargestellt werden. Diese Methode eignet sich, um den Kunden bzw. Nutzer zu verstehen, also für den ersten Schritt des Design Thinking.

 

 

Explorative Interviews

Interviews können an mehreren Stellen des Design-Thinking-Prozesses eingesetzt werden: Zum einen im Problemraum, um die Perspektive der Nutzer oder Kunden besser zu verstehen. Auch für die Testphase sind Interviews ein geeigneter Weg.

Explorative Interviews orientieren sich (anders als beispielsweise ein strenger Fragebogen oder ein Multiple-Choice-Interview) lose an einem vorbereiteten Fragenkatalog. Das Gespräch wird nicht zu stark strukturiert, um dem Interview-Partner möglichst viel Raum geben zu können.

 

Empathy Map

Mit der Empathiekarte lassen sich Gefühle und Bedürfnisse der Zielgruppe erfassen und in üblicherweise sechs Feldern visualisieren (Denken & Fühlen, Sagen & Tun, Hören, Sehen, Herausforderung, Bedürfnis). Diese Analysemethode ist hilfreich in Phase 2 des Design Thinking.

 

6-3-5-Methode

Wenn in Phase 4 ungeleitetes Brainstorming zu wenig Ergebnisse bringt, kann die 6-3-5-Methode als stärker strukturierte Herangehensweise an die Ideenfindung ein hilfreiches Gerüst bieten. Sechs Teilnehmer falten ein einfaches DIN-A4-Papier so, dass drei Spalten und sechs Zeilen entstehen, also 18 Felder. In einer vorgegebenen Zeit füllt jeder Teilnehmer die erste Spalte aus und gibt für die nächste Runde das Blatt an seinen Nebensitzer weiter. So entstehen 108 Ideen, die im Design-Thinking-Prozess weiterverarbeitet werden können.

 

SCRUM

Die Design-Thinking-Methode lässt sich effektiv mit SCRUM verbinden. So können beispielsweise bei kleineren Projekten vor allem die ersten vier Phasen des Design Thinking den Input für einen anschließenden SCRUM-Prozess liefern. Bei größeren Projekten kann der Design-Thinking-Prozess zu mehreren Prototypen führen, die in der Folge nach dem SCRUM-Modell umgesetzt werden.

 

Warum gerade Design Thinking?

Nutzerorientierung

Der komplette Design-Thinking-Prozess ist intensiv und konsequent auf den Nutzer bzw. Kunden ausgerichtet. Der Kunde ist an verschiedenen Stellen des Design Thinking in den Prozess einbezogen. So entstehen Lösungen, die wirklich gebraucht werden und marktfähig sind.

 

Zeit- und Kostenersparnis

Design Thinking liefert viel schneller Ergebnisse als andere Methoden der Produktentwicklung. Das spart zum einen Kosten und kann zum zweiten der entscheidende Wettbewerbsvorteil sein: Während andere Unternehmen noch in langwierigen Entwicklungsprozessen feststecken, haben Sie bereits die Lösung parat.

 

Unentdeckte Potenziale entdecken

Durch die spezielle Struktur des Design-Thinking-Prozesses können sich auch Mitarbeiter einbringen, die auf anderen Wegen der Produktentwicklung „untergehen“. Design Thinking erfordert viele verschiedene Kompetenzen, die kein Mitarbeiter allein auf sich vereinen kann: Analysestärke, Empathie, Kreativität, Visualisierungkraft, Fachkompetenz bezüglich der Umsetzbarkeit, betriebswirtschaftliches Wissen, Kenntnisse über Vertriebsmöglichkeiten und vieles mehr. Im Design Thinking kann jeder seine individuellen Stärken einbringen – und traut sich im Umfeld der positiven Fehlerkultur eher, auch in ungewohnten Bereichen Beiträge zu machen.

 

Mitarbeiterzufriedenheit

Design Thinking hat auf mehreren Ebenen einen positiven Einfluss auf die Unternehmens- und Teamkultur. Indem sehr schnell sehr gute Ergebnisse erzielt werden, erleben Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Aufgrund der toleranten Fehlerkultur und der Offenheit gegenüber allen Ideen und Beiträgen können alle Mitarbeiter sich ihren Fähigkeiten und Kompetenzen entsprechend einbringen. Die Teammitglieder erfahren die positiven Effekte von gelungenem Teamwork – das stärkt den Zusammenhalt und die Identifikation mit dem Unternehmen.

 

Design Thinking mithilfe von Whiteboard praktizieren

Design Thinking in der Praxis – Anwendungsbereiche & wie Sie die Methode für sich nutzen können

Wofür einsetzen?

Design Thinking ist für jedes Problem geeignet, für das es noch keinen Lösungsweg gibt. Die Methode kann genutzt werden, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, um über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, um Content zu kreieren, um Digitalisierungsprozesse zu gestalten oder um die Organisationsentwicklung voranzutreiben.

 

Wie implementieren?

Sich die sechs Phasen zu notieren und einfach mal loszulegen – das wird kaum gute Ergebnisse bringen. Im Vorfeld müssen einige wichtige Dinge geklärt werden, zum Beispiel zur optimalen Teamgröße, zur idealen Teamzusammensetzung oder zur genauen Fragestellung. Das Team sollte vorbereitet werden, über Fehlerkultur, Ziele und Abläufe informiert sein. Schließlich gibt es innerhalb des Rahmengerüsts „Design Thinking“ noch eine Vielzahl von möglichen Methoden, die in den einzelnen Phasen zum Erfolg führen können – ohne deren Kenntnis wird das Team hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben.

Für den Start ist es deshalb sinnvoll, sich in einem professionellen Design Thinking Workshop unterstützen zu lassen.

 

Wie für die Organisationsentwicklung nutzen?

Design Thinking ist, so haben wir es oben beschrieben, ideal zur Lösung komplexer Fragestellungen geeignet. Und kaum etwas ist für Unternehmen herausfordernder als die Arbeit am Gesamtsystem. Wachstums- und Veränderungsprozesse brauchen eine hohe Kompetenz und starke Methoden, um ohne allzu große Verwerfungen zu gelingen.

„Design Thinking“ kann hier eine wertvolle Hilfestellung sein, denn die Methode fußt auf gründlicher Analyse, nimmt die emotionalen Bedürfnisse empathisch in den Blick und gibt kreativen Raum frei für wirklich neue Lösungen – jenseits von „Das war schon immer so.“

Ein äußerst positiver Nebeneffekt: Das Team muss nicht etwa „mitgenommen“ werden, sondern es ist gestaltend von Anfang bis Ende dabei. Das schafft Akzeptanz. Während Veränderungen in der Organisationsentwicklung häufig zu Ängsten, Ablehnung und Blockade führen, ist Design Thinking die Einladung zur Mitgestaltung.

 

Fazit

Design Thinking ist kein Buzzword aus der Kreativabteilung von Start-ups im Silicon Valley. Es ist eine wissenschaftlich entwickelte und in der Praxis vielfach erprobte Methode zur Lösung komplexer Fragestellungen – von der Produktentwicklung über das Finden guten Contents bis hin zur Organisationsentwicklung.

Design Thinking kann die Denkweise, die Zusammenarbeit und die Entwicklung von Neuem in Ihrem Unternehmen grundlegend ändern: hin zu schnelleren und besseren Ergebnissen, und das bei gesteigerter Mitarbeiterzufriedenheit.

Es lässt sich aber schwer aus Büchern lernen. Am besten ist es, in den Design-Thinking-Prozess ganz praktisch zu starten: im Doing. Wir bieten Ihnen aus unserer jahrelangen Erfahrung und persönlichen Begeisterung für diese Methode des Denkens und Arbeitens unsere professionelle Unterstützung an. Wir zeigen Ihnen gerne, wie Sie Design Thinking bei sich im Unternehmen implementieren können. Möchten Sie mehr erfahren oder direkt Zugriff auf unser Design Thinking Toolkit erhalten? Rufen Sie uns gerne für ein unverbindliches Erstgespräch an oder schreiben Sie uns über unser Kontaktformular.

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